Aus der Geschichte der Kirchengemeinde Münkeboe-Moorhusen

aufgeschrieben von Anita Franzen
aus Anlass des Jubiläums 100 Jahre Kirchengemeinde
1896 - 1996

ZUM GUTEN HIRTEN

so heißt unsere Kirchengemeinde Münkeboe Moorhusen seit einigen Jahren.

»Zum Guten Hirten« diese Bezeichnung sagt mir Geborgenheit, Schutz und Zuflucht zu. War es auch wohl die Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Zusammengehörigkeit in einer überschaubaren und erreichbaren Gemeinschaft, welche die Siedler in der Wildnis östlich von Upende antrieb, über Jahrzehnte hin die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde anzustreben?

Wir können davon ausgehen, dass bereits zu den Zeiten der Häuptlinge der tom Brooks die Wildnisse östlich von Upende als Viehweide und zur Torfgewinnung genutzt wurden. In einem Torfmoorregister wird 1632 ein »Jan bit Moor« genannt, der seine Hütte sehr wahrscheinlich im heutigen Moorhusen erbaut hatte. 1719 werden erstmals in einem Schätzungsregister 5 Familien genannt, die als Tagelöhner auf dem Moor wohnen. Nach 1 764 als die Urbarmachung der Moore durch den preußischen Staat gefördert wird, kamen immer mehr Menschen hierher die Kolonien Münkeboe und Moorhusen entstanden.

Die Kolonisten, die sich in »OsterUpende« also im Raum Münkeboe und Moorhusen ansiedelten, gehörten zur Kirchengemeinde Engerhafe.

Der Besuch der Kirche in Engerhafe war für die Kolonisten wegen der weiten Entfernung fast unmöglich. Befestigte Wege gab es damals noch nicht.

Wie haben es die Menschen wohl geschafft, den weiten Weg mit einem Sarg zurückzulegen, um den verstorbenen Menschen auf dem Friedhof in Engerhafe zu beerdigen?

Wie stellten Menschen es an, ihren Säugling zur Taufe in die Kirche Engerhafe zu bringen, ohne dass das Kind Schaden erlitt?

Der Engerhafer Pastor nahm den beschwerlichen Weg auf sich und hielt am Sonntagnachmittag, abwechselnd in den Schulen Münkeboe und Moorhusen, Gottesdienst. Diese Gottesdienste waren so begehrt, dass die winzigen Schulgebäude die Menschen fast nicht fassen konnten.

Der Antrag der Kolonisten aus dem Jahre 1850, einen eigenen Pastor zu bekommen, wurde abgelehnt. 1857 erging erneut eine Anfrage an den Kirchenvorstand Engerhafe, den Antrag von 1850 erneut zu beraten. 1866 wandten sich Einwohner von Münkeboe an das Konsistorium in Aurich mit dem Anliegen um Bildung einer eigenen Kirchengemeinde.

Der Kirchengemeinde Engerhafe waren 2 Pfarrstellen zugeteilt, um das große Gemeindegebiet zu betreuen. Die 2. Pfarrstelle, die für den östlichen Teil der Gemeinde zuständig sein sollte, war jedoch bereits seit vielen Jahren vakant. Die Arbeit wurde von einem Pastoren verrichtet, der dafür Vergütung aus der 2. Pfarrstelle erhielt. Pastorengehälter mussten damals noch von der jeweiligen Gemeinde aufgebracht werden; und auch die sogenannte Armenhilfe war Sache der Kirchengemeinde.

Die Höhe des Pfarrgehaltes und des Armenfonds und die anteilige Verteilung auf die Gemeinden Engerhafe, Münkeboe und Moorhusen hieran waren lange unklar und haben sicherlich die Gründung der Kirchengemeinde Münkeboe-Moorhusen hinausgezögert.

1872 - Pastor Oepke in Engerhafe verstarb; somit musste dort die erste Pfarrstelle neu besetzt werden - 1872 also - wurde in einer Interessentenversammlung die Bildung einer neuen Parochie in Münkeboe-Moorhusen erneut besprochen und zu den nachfolgend u.a. aufgeführten Bedingungen beschlossen:

1. »Die neu zu bildende Kirchengemeinde bildet zugleich einen eigenen Armenverband, zu welchem Behufe die alte Gemeinde ihr Capital von 1700 Thlr.cour. bewilligt und offeriert ......«

Die vorgesetzten Behörden sahen sich jedoch nicht in der Lage, diese Beschlüsse zu genehmigen, weil wie es dort in einem Bericht heißt die Gemeinde Moorhusen nicht in der Lage sei ... »ihre Armen zu versorgen, sondern unzweifelhaft dem Landesarmenverband zur Last fallen würde.«

Damit war das Thema »Kirchengemeinde Münkeboe-Moorhusen« für ca. 15 Jahre wieder auf Eis gelegt.

1876 stellte die Kirchengemeinde Engerhafe den Antrag auf Wegfall der 2. Pfarrstelle, um die dadurch frei werdenden Gelder zur Höherdotierung der 1. Pfarrstelle und zur Aufbesserung des Küster und Organistendienstes zu verwenden.

In diesem Gesuch heißt es außerdem, dass in den Kolonien Münkeboe Moorhusen bei der »jetzt obwaltenden Vermögenslosigkeit und in Anbetracht der dort vorzunehmenden Schulausbauten ... so gut wie gar keine Lust zur Aufrichtung einer gesonderten Parochie vorhanden ist.. .«

1883 war in Moorhusen, 1885 in Münkeboe ein Schulhaus gebaut worden. Es wird erzählt, dass zum Bau der Schulgebäude Steine der abgetragenen Teile der Marienhafer Kirche verwandt wurden. In beiden Schulgebäuden war dem Eingang gegenüber je ein Anbau eingebaut, in dem sich eine Kapelle mit einem Altar und einem Epistelstuhl befand. Hier hielt nun ab 1877 Pastor Remmers im 14tägigen Wechsel am Sonntagnachmittag Gottesdienst.

Trotz dieser den früheren Zuständen gegenüber sehr verbesserten Bedingungen war die geistliche Versorgung der Kolonistenfamilien aber immer noch unbefriedigend. Auch für den Pastoren aus Engerhafe blieb es beschwerlich, den Dienst in den Moorkolonien zu versehen.

Die Wege waren unbefestigt wie seit Menschengedenken. Erst 1899/1900 wurde die Landstraße von Marienhafe über Rechtsupweg bis nach Moordorf gebaut, 1903 die Straße von Engerhafe bis zum Anschluss an die in Upende und erst 1906 wurde der Fahrweg von Upende bis zur Mühle in Münkeboe gepflastert.

Diese Schwierigkeiten veranlaßten das Konsistorium, den Plan auf Errichtung einer neuen Kirchengemeinde in Münkeboe-Moorhusen wieder aufzugreifen. In einem Schreiben vom 9.1.1880 an den Kirchenvorstand Engerhafe heißt es:

»Ist auch durch das neuerlich eingerichtete Provisorium für die kirchliche Versorgung der Colonien auskömmlicher als früher gesorgt, so entspricht dasselbe doch keineswegs allen Anforderungen, vielmehr wird die angedeutete Parochiebildung immer noch das in erster Linie zu erstrebende Ziel bleiben, so große finanzielle Schwierigkeiten demselben auch jetzt noch sich entgegenstellen.«

Dieses Schreiben signalisierte wohl den Sinneswandel des Konsistoriums in Aurich, denn am 17.04.1894 wurde das Grundstück von Fokko Eckhoff für 2.850,- Mark erworben, auf dem zunächst der Friedhof angelegt und später die Kirche und das Pfarrhaus gebaut wurden. Rieke Bruns verkaufte der Kirche den Moorhusener Zufahrtsweg für 150,- Mark.

Nach einer Reihe von Verhandlungen fasste auf einer Besprechung am 6.11.1895 der Kirchenvorstand Engerhafe den Beschluss, der neu zu bildenden Parochie soviel abzugeben, dass für die in Engerhafe verbleibende Pfarre ein dauerndes Einkommen von jährlich 2400 Mark verbleibt.

Am 18. August 1896 teilte das Konsistorium in Aurich dem Kirchenvorstand zu Engerhafe mit, dass die Kolonien Münkeboe-Moorhusen durch die Errichtungsurkunde vom 11. Juli 1896 mit Wirkung vom 1. August 1896 an zu einer selbständigen Kirchengemeinde erhoben worden sind.

Diesen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Kirchengemeinde Münkeboe-Moorhusen habe ich nach Informationen aus der Arbeit von Martin Wilken »Die Entstehung der Kirchengemeinde Münkeboe Moorhusen« zusammengestellt.

Wir wundern uns vielleicht über diese langwierigen Verhandlungen und Verzögerungen. Wir müssen jedoch bedenken, dass es für den Kirchenvorstand in Engerhafe eine schwerwiegende Entscheidung war, die beiden Kolanate Münkeboe und Moorhusen, die bislang kaum als eigenständige Gemeinden in Erscheinung getreten waren, aus der Aufsicht und der Verantwortung der alten Kirchengemeinde zu entlassen.

Ich möchte nun zu einer Zeitreise durch die 100 Jahre der Kirchengemeinde Münkeboe-Moorhusen einladen:

Wie es so ist, wenn Menschen miteinander unterwegs sind, nehmen sie unterschiedliches wahr. Deshalb sollen die folgenden Seiten kein vollständiger, umfassender Bericht sein. Ich wünsche mir, dass Erinnerungen geweckt, Gedanken ausgetauscht werden, dass dieser Rückblick durch Beiträge aus unserer Gemeinde erweitert und vervollständigt werden kann!

In einem alten Protokollbuch der Schule heißt es: "Am 1. Okt. 96 hielt Pastor Buhs von Plaggenburg als Hilfsprediger seinen feierlichen Einzug". Die Gemeinde hatte zwar noch kein Pfarrhaus und keine Kirche, nun hielt der eigene Prediger Kirche in den Schulen Münkeboe und Moorhusen; "die Kinderlehre findet des Sonntagsnachmittags in der Schule statt, in der am Vormittage nicht gepredigt wurde."

"Am 24 März 1897 wurde der Friedhof in Münkeboe eingeweiht, am selben Tag werden die einzelnen Grabstellen zum Verkaufe gestellt, es wurden für reichlich 4000 M verkauft." Am 2 April 1897 findet die erste Beisetzung auf dem Friedhof in Münkeboe statt.
Im Gegensatz zur heutigen Zeit gehörte Geborenwerden und Sterben vor hundert Jahren noch zum häuslichen Leben.

Lag ein Mensch im Sterben, holten die Angehörigen den Pastoren. Dieser gab dem Sterbenden im Kreis seiner Familie das Abendmahl und begleitete ihn mit Gebeten den letzten Schritt seines Lebensweges.

In einem Sarg, vom Tischler im Dorf gezimmert, lag der oder die Verstorbene aufgebahrt in der Stube oder der Kammer des Trauerhauses. Spiegel und Fenster waren mit weißen Tüchern verhangen, die Pendeluhr wurde angehalten. Nachbarn hatten beim "Verkleeden" geholfen und übernahmen auch in den Tagen bis zur Beerdigung die dringendsten Arbeiten. Verwandte und Bekannte erhielten Nachricht vom Tode und der Beerdigung durch "Ansagen".

Am Tag der Beerdigung versammelten sich Verwandte und Nachbarn noch einmal zum "Offdanken" um den offenen Sarg. Der Pastor hielt eine Andacht; danach gingen alle hinaus, und der Sarg wurde endgültig geschlossen. Die sechs Sargträger, dieser Dienst war "Nachbarspflicht", trugen den Sarg auf einen Ackerwagen. Zur Stütze lagen jeweils an der Seite zwei Bund Stroh, dazu kamen die Kränze. Die allernächsten Verwandten fuhren mit auf dem Wagen. Die übrige Trauergemeinde folgte zu Fuß. Vor dem Fuhrwerk ging der Pastor, gefolgt von der Gruppe Konfirmandinnen, die den Toten ,,versingen" mußte. Der ganze Weg vom Trauerhaus bis zum Grab wurde von Gesängen begleitet. Menschen, die dem Trauerzug begegneten, blieben stehen, Männer zogen ihre Mütze, so erwiesen sie dem verstorbenen Mitmenschen die letzte Ehre.

Legte der Trauerzug den letzten Teil des Weges in Sichtweite der Kirche zurück, begleitete ihn das Läuten der Kirchenglocken.

Die Mühlenflügel wurden angehalten und zeigten das Kreuz. Im Angesicht des Todes hielt das Leben für einen Augenblick den Atem an.

Auf dem Friedhof hoben die sechs Träger den Sarg vom Wagen, trugen ihn zum offenen Grab, ließen ihn hinunter und bedeckten ihn mit den Strohbunden. Bis die Trauernden den Friedhof verlassen hatten, verschloß ein dachförmiges Gestell, bedeckt mit einem schwarzen Tuch das offene Grab. Verwandte und Nachbarn geleiteten die Trauerfamilie wieder nach Hause und wurden dort mit Tee und Teekuchen bewirtet.

Ganz still und unbemerkt ist viel von diesem trostvollen Miteinander in unserer lauten und ruhelosen Zeit verschwunden.

Die erste Trauung fand in der vorläufigen PastorenWohnung im Müllerhaus Fleetjer statt.
1897 nach Fertigstellung des Pfarrhauses konnte Pastor Buß in seine neue, moderne Dienstwohnung, mit den geräumigen hohen Zimmern und den großen, hellen Fenstern, einziehen. An den Wohnbereich war ein Stall angebaut, damit "Pastors" sich Kuh, Schwein, Hühner usw. halten konnten. Frisches Gemüse und Obst lieferte der Pfarrgarten.

Bis zur Fertigstellung der Kirche traute Pastor Buß die Paare aus Münkeboe und Moorhusen nun im "Betsaal" des Pfarrhauses.

Es hatte die Menschen in Münkeboe und Moorhusen wohl so etwas wie Pioniergeist beflügelt, als sie beschlossen, das noch fehlende Geld für den Bau einer Kirche durch Haussammlungen zu beschaffen. Mehr als 30 Leute machten sich auf den Weg. Durch die ganze Provinz Hannover zogen sie und brachten nahezu 45.000 Mark zusammen!

In einem Protokollbuch heißt es 1899: "So dürfen wir es nun mit Gottes Hilfe wagen, den Kirchbau ins Auge zu fassen ..." Im November 1899 wurde der Bau genehmigt und bereits im Advent 1900 versammelten sich die Münkeboer und Moorhusener und viele Gäste zum "Einweihungsgottesdienst" in ihrem eigenen Gotteshaus. Sie waren überwältigt von dem großen, hohen Gebäude, das weithin sichtbar war. Ehrfürchtig traten sie ein durch die Tür im Turmeingang mit der Inschrift: "Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst."

Mit der Kirche im Dorf wurden aus den Kolonien in der Wildnis östlich von Upende Gemeinden.

1902 ertönte zum ersten Mal die neue Orgel in unserer Kirche. Seit seiner Gründung 1897 war der Posaunenchor fester Bestandteil des sonntäglichen Gottesdienstes und einzige musikalische Stütze der Gemeinde. Und nun füllte der kraftvolle Klang der Orgel den ganzen Kirchenraum. Lehrer Keck war der erste Organist in unserer Kirche.

Obwohl die Kolonistenfamilien sicherlich darunter gelitten hatten, dass sie in der Engerhafer Kirche die Eigentümer der Sitzplätze um Erlaubnis zur Benutzung eines Platzes in der Kirchenbank fragen mussten, wurden auch in der neuen Kirche in Münkeboe die meisten Sitzplätze vermietet. Die Mieteinnahmen halfen mit, die Finanzierung der umfangreichen Anschaffungen und der laufenden Kosten der jungen Kirchengemeinde zu bewältigen.

Am Sonntag, den 8.4.1934 wird abgekündigt, "dass die Stühle und Bänke in der Kirche frei sind und nicht mehr vermietet werden."

Die Tradition der Haustaufe ist wohl erst verschwunden, als in jeder Familie ein Auto vorhanden war, um den Täufling unabhängig vom Wetter warm und trocken zur Kirche zu bringen.
Früher gingen Frauen, die ein Kind geboren hatten, nicht eher aus dem Haus, bis ihr Kind getauft war. Es fällt uns heute schwer, diese Sitte zu verstehen. Aber sollte diese Zeit der Zurückgezogenheit für die Mutter eine Zeit der Ruhe eine "Stillzeit" sein?

Bei der Haustaufe stand auf einem möglichst festlich hergerichteten Tisch oder der Kommode die Taufschale. Die Familie versammelte sich. Der Pastor hielt Andacht, taufte das Kind und unter dem Segen, der über das Kind ausgesprochen wurde, konnten sich alle, das ganze Haus, geborgen fühlen.

Lange war es üblich, in der Kirche die Kinder nach dem Sonntagsgottesdienst zu taufen. An die Unruhe, die eine Taufe während das Gottesdienstes manchmal mit sich bringt, konnten sich vor allem ältere Menschen nicht so schnell gewöhnen.

Zur Feier des Heiligen Abendmahls blieben diejenigen, die daran teilnehmen wollten, nach dem Sonntagsgottesdienst in der Kirche. Es waren immer nur wenige, die sich dazu würdig fanden. Die meisten Gottesdienstbesucher gingen still hinaus. Die Angst, "unwürdig zum Tisch des Herrn zu treten" und damit eine große Sünde zu begehen, war für viele unüberwindlich groß.

In der Kinderlehre und im Konfirmandenunterricht lag der Schwerpunkt auf dem Auswendiglernen von Bibel und Liedtexten; den Katechismus musste jedes Kind sicher hersagen können. Dieses Auswendiglernen ist für die Kinder, zusätzlich zu den Schulaufgaben, nicht einfach gewesen, denn sie halfen alle früh mit, den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sichern. Zum Zeitpunkt der Konfirmation waren viele schon "in Stellung", d.h.: sie arbeiteten schon als Magd oder Knecht auf einem Bauernhof.

Nicht lange nach dem Kirchenbau um 1906 begann der Ausbau der Straße von Upende bis zur Münkeboer Mühle. Diese Klinkerstraße blieb bis Anfang der 50er Jahre die einzige Straße hier außer der Verbindung zwischen Marienhafe Rechtsupweg Victorbur bis zur Moordorfer Kreuzung.

Die Lindenbäume unserer Kirchenallee, an der wir zu jeder Jahreszeit unsere Freude haben, wurden im Herbst 1901 gepflanzt. Auf den alten Bildern überragt die Kirche noch all' die kleinen Bäumchen.

An dem schönen hohen Kirchturm, von dem es nur noch wenige vergilbte Bilder gibt, konnte die Gemeinde sich nicht lange freuen. Am 21.01.1905 bereits, ist der erste Sturmschaden am Turm vermerkt und nach einem Blitzschlag im Jahre 1927 war der Schaden so groß, dass man sich entschloss, das Dach des Turmes so zu gestalten, wie wir es noch heute vorfinden.
Im Februar 1912 erhielt unser Friedhof seine erste schöne Pforte. Zusammen mit den Kirchenglocken musste die Friedhofspforte im 2. Weltkrieg hergegeben werden "für das Vaterland" wie es damals so heroisch hieß.

Der erste Geistliche unserer Kirchengemeinde Pastor Buß blieb bis zu seinem Tode im Jahre 1921 in Münkeboe. Von ihm wird gesagt: "...er hätte, wenn er gekonnt hätte, uns alle auf den Armen in den Himmel getragen." In seine Amtszeit fiel der 1. Weltkrieg. Schlimme Jahre wir werden daran erinnert durch die Namen auf den Gedächtnistafeln an der Christusstatue.

An die Inflationszeit, als ein Brot Millionen oder Billionen Mark kostete, erinnern sich heute noch ältere Menschen. Das wenige Bargeld, das den Familien zur Verfügung stand, war über Nacht wertloses Papier!

1915 bekam die Kirchengemeinde das Harmsvermächtnis überschrieben. Das Ehepaar Harms aus Münkeboe war ohne direkte Nachkommen verstorben und hatte der Kirche seinen Besitz vererbt mit dem Hinweis, damit den Ärmsten der Gemeinde zu helfen. Bis heute sind die Einnahmen aus dem sog. "Harmslegat" eine segensreiche Quelle für die verschiedensten Hilfen im Rahmen der Diakonie.

1922 kam Pastor Eilers nach Münkeboe und 1933 Pastor Enno Janssen.

Bevor Pastor Janssen mit seiner Familie in das Pfarrhaus einzog, wurden hier elektrische Leitungen gelegt; ob zu diesem Zeitpunkt auch die Kirche elektrisches Licht bekam?

Pastor Janssen begleitete die Gemeinde durch die dunkle Zeit des Nationalsozialismus. 1934 gründete er einen Jungmädchenkreis. Versuchte er, eine Alternative zu schaffen zu den Jugendgruppen des Hitlerregimes?

Wie nahmen Menschen, die politische Entscheidungen noch als ferne, kaiserliche Allmacht kennengelernt hatten, die immer bedrohlicher werdende Gefahr der Diktatur wahr?

In den schrecklichen Jahren des 2. Weltkrieges trauerte jede Familie um Angehörige, die zu Tode kamen. Zum Gedenken an jeden umgekommenen Soldaten aus der Gemeinde hing in der Kirche ein Kranz mit einer Schleife, auf der der Name des Toten geschrieben stand. Diese Schleifen blieben in der Kirche hängen, wenn der Kranz verdorrt war.

Als 1945 der Krieg endlich zu Ende war, strömten Flüchtlinge aus den Ostgebieten auch bis nach Ostfriesland, wurden deutsche Soldaten, aus Holland kommend, auch in Münkeboe und Moorhusen interniert. Menschen aus den zerstörten Städten kamen, um ihre letzte Habe gegen Lebensmittel einzutauschen. Männer kehrten, nicht selten krank an Leib und Seele, nach jahrelanger Gefangenschaft wieder zurück nach Hause.

In dieser unruhigen Zeit kosteten die alltäglichsten Dinge, wie ausreichende Ernährung, die Beschaffung eines warmen Mantels oder ein Paar Schuhen, viel Kraft und Phantasie.

Mit der Währungsreform wurde das Geld wieder ein reelles Zahlungsmittel. In den Städten Ostfrieslands, besonders in der Hafenstadt Emden, begann der Aufbau. Es gab Arbeit geregelte, ordentlich bezahlte Arbeit für Viele, und für das verdiente Geld gab es wieder etwas zu kaufen. Diese materielle Sicherheit, Krankenversicherung, Arbeitslosenunterstützung, Renten ... für alle, hatte es noch nie gegeben. Eine neue Zeit begann.

Und unsere Kirchengemeinde? Wie erging es ihr in dieser neuen Zeit? Trat Kirche, als die Dankgottesdienste für die heimgekehrten Kriegsgefangenen verklungen waren, ein wenig in den Hintergrund? Die Gottesdienste an den hohen Feiertagen waren immer noch gut besucht. Die Tradition des regelmäßigen sonntäglichen Kirchgangs wurde von der Nachkriegsgeneration nicht fortgeführt.

Neue Häuser die ersten Siedlungen wurden in Münkeboe und Moorhusen gebaut, zum Teil mit Steinen, hergestellt aus dem Trümmerschutt der zerbombten Städte.

Pastor Enno Janssen ging 1952 in den Ruhestand, und Pastor Martin Köppen zog mit seiner Familie in das Pfarrhaus ein. Er war gern in seiner Gemeinde unterwegs, unterhielt sich bei einer Tasse Tee mit Jung und Alt und schaute dabei behaglich den Rauchkringeln seiner Zigarre nach. Pastor Köppen übernahm 1964 ein Pfarramt in Emden. Die Pastorenstelle blieb bis 1966 vakant; bis Pastor Hajo Müller in unsere Gemeinde kam.

Die Gründung unserer Kirchengemeinde fand noch zu »Kaisers« Zeiten statt, zu der Zeit wird in alten Urkunden vom "Consistorium in Aurich" gesprochen. Nun ist die Landeskirche in Hannover für uns zuständig; 1954 tritt die Kirchengemeinde dem Kirchenkreisamt in Aurich bei. Das bedeutet eine zentrale Verwaltung. An den Sitzungen des Kirchenkreistages nimmt außer den Pastoren, einem Kirchenvorsteher auch ein berufenes Mitglied aus der Gemeinde teil.

Im Laufe der 50er und 60er Jahre entstehen in den Städten Ostfrieslands zahlreiche Fabriken, in denen auch viele junge Frauen Arbeit bekommen. Immer mehr Mädchen suchen sich nach der Schule einen Ausbildungsplatz oder nehmen die Möglichkeit wahr, eine Höhere Schule zu besuchen.

Familien sind nicht mehr auf die Versorgung aus dem eigenen Garten oder durch die Haltung von Nutzvieh angewiesen. In den Supermärkten, in die sich unsere Läden verwandelten, wird alles fertig verpackt. »Plastik« wird das Zauberwort. Dass die Bequemlichkeiten des Lebens einen hohen Preis fordern, erkennen wir erst viel später.

Als die Entsorgung des Plastik-Blumenschmuckes und des übrigen Plastikverpackungsmülls zum Problem wird, entschließt sich der Kirchenvorstand, die Verwendung von Kunststoff auf unserem Friedhof zu untersagen. Bei einem Gang über den Friedhof ist seitdem auf den Gräbern wieder Wachsen und Vergehen zu erkennen. Unsere Gräber zeigen es uns nach jedem Winter erwacht ein neuer Frühling!

Mit den Jahren ist die Teilung Deutschlands Alltag geworden.

Anfangs wurden Päckchen und Pakete geschickt und Briefe geschrieben an Menschen und von Menschen in unserer Partnergemeinde Wiesa bei Annaberg. Diesen Kontakt hielt besonders der Frauenkreis aufrecht, in dem sich 1964 Frauen aus Münkeboe und Moorhusen zusammenfanden.

Welche Freude, als Pastor Brückner aus Wiesa uns dann auch einmal besuchen kann. Jugendkreise und der Kirchenvorstand besuchen Wiesa. Als es dann ab November 1989 möglich ist, von Wiesa nach Ostfriesland zu fahren, wird dies auch gerne von jungen Leuten wahrgenommen.

Unser Frauenkreis, mehr als 20 Jahre von Rika Klaassen »Tant' Rika« resolut geleitet, besteht heute noch. Die meisten Frauen, die ihn vor über 30 Jahren gründeten, gehören ihm heute noch an. Die Kirchengemeinde erfährt viel Gutes durch diesen Frauenkreis. Viel Freude brachten und bringen die »Sängerinnen« alljährlich im Advent zu alten und kranken Menschen; und unzählige »Koppkes« Tee haben »Tant' Hanni« Münken und ihr »Team« zum Labsal aller ausgeschenkt. Für den alljährlich stattfindenden Adventsbasar arbeitet seit über 20 Jahren der Handarbeitskreis.

Im Hause von Rika Klaassen trifft sich regelmäßig der Bibelkreis.

Am 1. April 1970 wird Antje Fleetjer aus Münkeboe zur Kirchenvorsteherin gewählt. Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Kirchengemeinde gehört dem Kirchenvorstand eine Frau an!

1995 durften wir ihr zum 25jährigen Jubiläum als Kirchenvorsteherin gratulieren und ihr für die Treue danken, mit der sie ihre Kraft, Erfahrung und Zeit für die Kirchengemeinde "Zum Guten Hirten" einsetzt.

Beinahe ebenso lange, von 1970 bis 1994 gehörte Hinrich Meibörg aus Moorhusen dem Kirchenvorstand an. Hinrich Meibörg begleitete mehr als 30 Jahre den Gottesdienst an der Orgel, leitete viele Jahre den Posaunenchor und gründete den Kirchenchor, dessen Chorleiter er ist.

Unsere Kirche wird Anfang der 70er Jahre gründlich renoviert und bekommt eine neue Heizung, elektrisch zu der Zeit eine saubere, kostengünstige Sache.
Eine grundlegende Veränderung unseres Lebens haben wir m.E. gar nicht bewusst wahrgenommen: Leben beginnt und Leben endet nicht mehr in unserem Zuhause. Kinder kommen fast ausnahmslos in einer Klinik zur Welt. Sterbende beenden ihren Erdenweg meistens in einem Krankenhausbett. Statt wie früher in der Kammer zu Hause, werden seit dem Bau der Friedhofshalle nun hier die Verstorbenen aufgebahrt.

Pastor Hajo Müller verlässt 1973 unsere Kirchengemeinde, um eine Stelle in Leer anzutreten. Es dauert bis 1975, bis Pastor Onno Bertelsmeyer nach Münkeboe kommt. Er verläßt die Gemeinde 1984, um eine Pfarrstelle in Blender zu übernehmen.

Seit 1982 trägt die Kirchengemeinde Münkeboe-Moorhusen den offiziellen Namen: »Zum Guten Hirten«.

Im Februar 1985 beginnt Pastor Diedrich Neemann seinen Dienst in der Kirchengemeinde; er wird bis 1992 Pastor in Münkeboe-Moorhusen sein.

Im Kirchenchor treffen sich seit 1985 ca. 50 Personen wöchentlich, uni gemeinsam alte und neue Lieder für Gottesdienste und Gemeindefeiern einzuüben.

Seit am Heiligabend 85 zum ersten Mal der Christnachtsgottesdienst in unserer Kirche gefeiert wird, singt auch hier unser Kirchenchor.

Auf besondere Gottesdienste, die wir gerne miteinander feiern, möchte ich an dieser Stelle hinweisen:

Eine lange Tradition hat der Weltgebetstag der Frauen am 1. Freitag im März. Frauen aus verschiedenen Gemeinden Südbrookmerlands und inzwischen auch einige Männer treffen sich in der Kirche der einladenden Gemeinde zum Gottesdienst und anschließendem Teetrinken.

Ostermorgen in der Kirche, das ist ein kostbares Erlebnis, für das es sich lohnt, früh aufzustehen. Das Wunder der Auferstehung Jesu bringt Mensehen auf den Weg. Wir feiern diesen Gottesdienst alljährlich zum Sonnenaufgang am Ostersonntag. Anschließend versammeln wir uns zum gemeinsamen Frühstück im Gemeindesaal.

Am »Weißen Sonntag«, am 1. Sonntag nach Ostern versammeln sich seit 1985 die Familien der im zurückliegenden Jahr getauften Kinder zu einem Gottesdienst zur Tauferinnerung in der Kirche.

Zur Feier des Himmelfahrtsfestes kommen die Kirchengemeinden Südbrookmerlands zum ersten Mal im Mai 1989 in den Pfarrgarten Engerhafe. Seitdem ist in jedem Jahr eine Gemeinde Südbrookmerlands der Treffpunkt für einen gemeinsamen Gottesdienst unter freiem Himmel. Die Posaunenchöre der einzelnen Gemeinden schließen sich an diesem Tag zu einem stimmgewaltigen Chor zusammen.

Alljährlich nach den Sommerferien feiern die Kinder, die ihre »Schullaufbahn« beginnen, mit ihren Familien den Schulanfängergottesdienst. Dann brodelt das Leben in unserer alten Kirche. Fröhlich nehmen die Kinder an dieser Feier teil.

Auch das Reformationsfest am 31. Oktober ist in Sprache und Gestaltung auf die Fragen von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet.

An einem Sonntag im September erinnern sich die »Goldenen Konfirmandinnen und Konfirmanden« an ihre Konfirmation vor 50 Jahren und stellen sich in einem Festgottesdienst erneut unter Gottes Segen.

Auf Wunsch von Beteiligten findet ebenfalls die Feier der »Silbernen Konfirmation« statt.

Die Feier des Gottesdienstes für Frieden und Gerechtigkeit am Buß- und Bettag wird in Münkeboe-Moorhusen fortgeführt, auch wenn dieser Tag als offizieller Feiertag gestrichen ist. 1995 hielten wir eine Abendandacht.

Das 90jährige Jubiläum des Posaunenchores war wohl der Anlass, dass Anfang September 1987 ein plattdeutscher Gottesdienst im Festzeit des Dorffestes in Münkeboe gefeiert wurde. Seitdem ist der plattdeutsche Gottesdienst ein fester Bestandteil des alljährlichen Dorffestes.

Auch der Gottesdienst am Altjahrsabend wird in plattdeutscher Sprache gehalten. Die Mitwirkenden nehmen gern die ungewohnte Arbeit auf sich, die hochdeutschen Bibel Lied- und Gebetstexte in plattdeutscher Sprache zu formulieren und sind jedes Mal wieder überrascht, wie treffend und ehrlich sich Gedanken »auf Platt« ausdrücken lassen.

Dass es in unserer Gemeinde möglich ist, spontan Gottesdienst zu halten, zeigte sich zu Beginn 1991, nach Ausbruch des Golfkrieges. Täglich fand sich eine Gruppe Menschen im Altarraum der Kirche zusammen, um für den Frieden zu beten. Hier war der Ort, an dem Trauer und Angst ausgesprochen werden durften. Von hier konnten wir uns ein Stück Hoffnung mit in unseren Alltag nehmen.

Familiengottesdienste, die in unregelmäßigen Abständen zu verschiedenen Themen bzw. Anlässen stattfinden, werden von jungen Menschen gerne angenommen.

KIMIK - »Kirche mit Kindern« heißt unser Kindergottesdienst, seitdem er vom Sonntagvormittag auf den Sonnabendnachmittag verlegt wurde. »Sonntag ist Familientag« so die Begründung dafür, dass die Teilnahme am Kindergottesdienst rapide zurückging. Der Sonnabendnachmitag ist demnach so veranstaltungsfrei, dass sich zahlreiche Kinder im Gemeindehaus versammeln, um gemeinsam Bibeltexte, Lieder und Gebete kennenzulernen.

Einmal in Monat, an einem Sonnabendnachmittag, versammelt sich die ältere Generation zum Altennachmittag im Gemeindehaus. Hier ist Gelegenheit, sich in geselliger Runde zu unterhalten, alte und neue Lieder miteinander zu singen und sich zu verschiedenen Themen auszutauschen.

Junge und alte Musik spielen zu verschiedenen Anlässen der Gitarrenchor und der Flötenchor. Die mitwirkenden Kinder und Jugendlichen würden sich freuen, wenn sie »Verstärkung« bekämen.

So wie wir als gute Nachbarn miteinander in Münkeboe und Moorhusen leben, treffen sich auch Menschen, die der evang. luth. Kirche und Menschen, die der evang. freikirchlichen Kirche angehören, zu gemeinsamen Bibelabenden, Planung und Durchführung von Ausflügen und Gemeindefesten.

Als segensreich für alte und kranke Menschen hat sich der seit 1987 bestehende Kassettendienst erwiesen. Der sonntägliche Gottesdienst wird aufgenommen, auf ca. 55 Kassetten überspielt und noch am Sonntagnachmittag verteilt. Die Helferinnen und Helfer des Kassettendienstes opfern gern regelmäßig einen Sonntagnachmittag, um »Kirche« zu den Menschen zu bringen.

Die neusten Nachrichten und aktuelle Termine der Kirchengemeinde sind aus unserem Gemeindeblatt zu erfahren, das zum Ende des Monats schon sehnsüchtig erwartet wird. Für den Druck von 1000 Exemplaren fertigt der Redaktionskreis das Layout an und verteilt die fertige Zeitung dann in Geschäften, Banken etc. der Gemeinde.

1985 beginnen im Gemeindehaus die Zusammenkünfte von suchtgefährdeten bzw. suchtkranken Menschen. Der Freundeskreis für Suchtkranke und deren Angehörige wird gegründet. Seither leistet dieser Kreis unschätzbare Hilfe im Rahmen der Prävention, Beratung und Begleitung von Betroffenen.

Im Gemeindehaus trifft sich 1985 der erste Mutter-Kind-Kreis. Junge Mütter tauschen sich aus und ermöglichen es ihren Kindern, mit Gleichaltrigen zu spielen. Inzwischen sorgen 4 bis 5 Mutter-Kind-Kreise für Lebendigkeit im Gemeindehaus.

Im Arbeitskreis Asyl beginnen im November 1988 Menschen aus unserer und den benachbarten Gemeinden, sich Gedanken zu machen, wie Flüchtlingen, die bei uns Zuflucht suchen, Begleitung, Unterstützung und Hilfe zukommen kann.

Zu helfen versucht unsere Kirchengemeinde vor Ort in der Unterstützung des Alten und Pflegeheimes Kepno in Polen. Gemeinsam mit der Ortsgruppe Ihlow des Deutschen Roten Kreuzes werden Transporte mit Hilfsgütern zusammengestellt. Die Besucher aus Ostfriesland sind immer wieder überwältigt von der herzlichen Gastfreundschaft, mit der sie in Kepno aufgenommen werden.

Wir Menschen fragen so oft: »Kommt meine Spende auch an?« Kepno ist ein Beispiel dafür, dass materielle Hilfe nicht nur »Not wendig« ist; sondern auch wie ein Licht der Hoffnung sein kann.

Der Verkauf von Waren aus unserem »EineWeltSchrank«, soll Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen. Wir beziehen die Waren vom »EineWeltLaden« aus Aurich. Von dort aus bestehen persönliche Kontakte zu Lieferanten, wie z.B. zu Werkstätten in Indien, in denen Leprakranke wieder ein menschenwürdiges Leben führen können, oder zu den Bauern in Mittelamerika, die ihre Eigenständigkeit in einer Genossenschaft nur behalten können, wenn sie für die Bananenernte einen gerechten Preis erhalten. So sind viele Projekte aufzuzählen. Bei Festen und Basaren ist der »EineWeltSchrank« zum Einkaufen und zum Informieren geöffnet.

Seit September 1992 ist Frau Pastorin Anna Riese die erste Frau im Pfarramt der Kirchengemeinde Münkeboe-Moorhusen. Wie überall in der Kirche, leisteten und leisten Frauen wertvolle Dienste in unserer Kirchengemeinde. Dass eine Frau von Amts wegen an erster Stelle steht, war für viele besonders sicherlich für die ältere Generation ungewohnt.

Auf Initiative von Frau Riese nehmen Bernd Memenga aus Münkeboe und Anita Franzen aus Moorhusen an einer Lektorenausbildung teil, werden vorn Kirchenvorstand zum Lektor bzw. zur Lektorin berufen und im Oktober 1995 in ihr Amt eingeführt.

Kirche ist in Bewegung in unserer Gemeinde ... die Frauen und Männer des Besuchskreises besuchen regelmäßig Alte und Kranke, bringen so Zuwendung im Gespräch zu den Menschen und dürfen Freude und Dankbarkeit erfahren.

Nachdem ein Gemeindefest ganz gezielt das Miteinander von nicht behinderten und behinderten Menschen zum Thema hatte, bildete sich der Kreis der Behinderten und Nichtbehinderten, in dem Schwierigkeiten des Lebens mit der Behinderung beim Namen genannt werden dürfen und die Grenzen der Hilflosigkeit und der Unkenntnis überwunden werden.

Der Kirchenbeirat arbeitet seit 1989 als inzwischen unentbehrliches Gremium in vielen Belangen der Kirchengemeinde.

Ein großes Anliegen des Kirchenvorstandes ist es, das Gemeindehaus zu erweitern. 1968 wurde aus dem ehemaligen Stallgebäude des Pfarrhauses das Gemeindehaus, so wie wir es z.Zt. vorfinden.

Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, müssen sich zwangsläufig ausgegrenzt fühlen, wenn sie nur mit Hilfe die Stufe in der Eingangstür überwinden können; die einzige Toilette des Hauses ist durch die extrem schmale Tür für körperbehinderte Menschen nicht erreichbar. Die vorhandenen 2 Räume können schon lange nicht mehr all' die Gruppen und Kreise so aufnehmen, dass gutes Zusammenwirken möglich ist.

Zu unserer Kirchengemeinde gehören ca. 2.700 Menschen. Die Vielfalt der Gruppen und Kreise lassen mich erkennen, dass der Wunsch nach Gemeinschaft im kirchlichen Bereich sich nicht mehr ausschließlich auf die Stunde zwischen zehn und elf Uhr am Sonntagvormittag bezieht.

So wie die Kirche sich vor hundert Jahren auf den Weg gemacht hat zu uns in Münkeboe und Moorhusen, so sollte sie sich weiter auf den Weg machen zu den Menschen. Unsere Kirchengemeinde hat den Namen »Zum Guten Hirten«, und an der Christusstatue am Tor heißt es: »Kommt her zu mir alle, die Ihr mühselig und beladen seid ...«.

Ich wünsche meiner Kirchengemeinde für das neue Jahrhundert, dass alle, ob mühselig oder beladen, als Schwestern und Brüder in der Gemeinde »Zum Guten Hirten« leben können.

Anita Franzen, Moorhusen

1996

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